Alcoholic Faith Mission - 421 Wythe Avenue [Pony Rec. / Indigo]
Hach ja, der allseits beliebte Knisterpop. Was ist Knisterpop eigentlich? Nun ja, damit meint man ja im Allgemeinen fragile Songkonstrukte aus akustischer Gitarre, Piano, vielleicht verirrten Streichern hie und da, und ein wenig Perkussion – alles aber mehr gestreichelt als geschlagen, und im Hintergrund mit einem gar lieblichen Knacken und Knistern (elektronischer oder natürlicher Art) versetzt. Und wenn man dazu noch verhuschten, gar elfengleichen Gesang gibt, ist der Knisterpop fertig, den man besonders in den kalten Monaten, wenn man sich von der Dunkelheit der Welt ausgegrenzt fühlt und das Herz ein wenig Wärme braucht, so unfassbar gut verwenden kann. Alcoholic Faith Mission sind zwei Dänen, die nach Brooklyn emigriert sind, und dort in einem Schlafzimmer eben jene Form von Musik aufgenommen haben. Das ist so geraten, wie man es erwartet hat. Nicht mehr und auch nicht weniger.
„421 Wythe Avenue“ hat im Grunde alles, was so eine Platte haben muss. Feinheit an jeder Ecke und an jedem Ende; alles Sphärische und Ätherische, was man in Musik legen kann; und dazu noch eine Schwermütigkeit, die einen zum Weinen bringen kann, wenn einen diese Platte im richtigen Moment erwischt. Trauer, Dunkelheit, Eskapismus, natürlich wie der Bandname schon sagt auch Alkohol – das sind wahrlich keine Themen, aus denen Sonnenscheinplatten gemacht sind. Und man würde sich, machte man Sonnenscheinplatten, vermutlich auch sowieso nicht Alcoholic Faith Mission nennen. Ja, es ist eine wirklich schöne, wenngleich auch eine unheimlich schaurig-traurige Platte geworden. Eine Platte, bei deren Genuss man ganz dringend innehalten sollte und die Klänge in sich aufsaugen. Bei der es einem unheimlich schlecht gehen darf, weil man sich dann eher mit den Interpreten ebenbürtig, auf einer Basis, fühlt. Da könnte man jetzt lange diskutieren, ob solche Musik im Spätfrühling/Frühsommer nicht ein kleines Bisschen deplaziert erscheint, allein wozu? Gute Musik verliert sich nicht mit der Zeit, und wenn diese Review dazu beiträgt, dass man in einem desperaten Moment im Herbst oder so nach der Alcoholic Faith Mission greift, auf dass sie einen kurieren möge, dann war sie doch zu etwas gut.
Text: Kristof Beuthner
Links zum Thema:
Alcoholic Faith Mission bei Myspace
Datum: 18.05.2009, 13:10 Uhr
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